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Was sind "demokratische" Volkslieder?

Volksmusik ist ein Sammelbegriff, der nicht auf eine konkrete Musikform, sondern auf eine Musikpraxis innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Kontexte weist.

Volkslieder behandeln überwiegend konkrete, wiederkehrende oder alltägliche Situationen, Begebenheiten und Stimmungen des täglichen Lebens.

Dabei kann sich die Lyrik von der „gewöhnlichen und rauen Wirklichkeit“, von Freude und Frohsinn, Liebe und Tod, Abschied und Reise, Fremde und Sehnsucht entfernen und sich in einer idealisierten Art und Form zeigen, zum Beispiel bei der Darstellung idyllischer Naturbilder oder einer tragischen Liebe zwischen Prinz und Prinzessin.

 

Volkslieder können diverse Funktionen erfüllen – etwa in Form des

  • Arbeitsliedes (die Arbeit begleitend)

Arbeiterlieder im allgemeinen Sinn haben eine lange Tradition. Es sind die Gesänge der Sklaven und Sträflinge, welche zu Zwangsarbeit verdammt wurden. In dieser Tradition steht unter anderem der Blues. Sie zählen zu den Arbeitsliedern, die während körperlicher Arbeit gesungen wurden.

Arbeiterlieder entstanden aus der Arbeitermusikbewegung, die sich wiederum als Teil der Arbeiterbildung und Arbeiterkultur verstand. Ziel dieser war es, dem Proletariat eine umfassende Bildung zukommen zu lassen und eine eigene proletarische Kultur zu entwickeln, die die Voraussetzung für einen gesellschaftlichen Wandel sein soll.

  • Ständeliedes (Arbeitsbereiche oder Berufe charakterisierend)

 

 

Einige Daten zur Begriffsentwicklung und inhaltlicher Deutung:

 

  • 1773 prägte Johann Gottfried Herder den Begriff "Volkslied" und führte ihn in die deutsche Sprache ein.
  • 1882 definierte Hugo Riemann: Ein Volkslied ist „ein Lied, das im Volk entstanden ist!
  • Um 1900 entdeckte die Wandervogelbewegung das Volkslied neu.
  • 1909 veröffentlichte Hans Breuer  mit der Volksliedsammlung "Der Zupfgeigenhansl" das Liederbuch der Jugendbewegung.
  • 1919 veröffentlichten die Naturfreunde der Ortsgruppe Mannheim e.V. das Wander-Liederbuch "Berg frei!" mit den Texten von 87 Volksliedern.
  • 1954/1962 dokumentiert Wolfgang Steinitz mit seinem großen Werk "Deutsche Volkslieder demokratischen Charakters aus sechs Jahrhunderten" das historische sozialkritische Lied umfassend und hat damit das "Volkslied"-Verständnis nach 1945 entscheidend geprägt. Insbesondere für die deutsche Folkbewegung wurde diese Sammlung zum Leit- und Kultbuch.

Mit Steinitz eigenen Worten:

Unter demokratischen Volksliedern verstehe ich [...]

Lieder des werktätigen Volkes, die den sozialen und

politischen Interessen der durch Feudalismus,
Kapitalismus und Militarismus unterdrückten Werktätigen

einen klaren Ausdruck geben.

 

Volkslieder in der Tradition der Naturfreunde

Umschlag des Wander-Liederbuchs "Berg frei!

 

 

 

 

 

Bereits 1918/1919, mitten in der sogenannten "deutschen Revolution", erschien

"Berg frei! Ein Wander-Liederbuch",

herausgegeben von den Naturfreunden der Ortsgruppe Mannheim e.V.

mit den Texten von 87 Volksliedern.

Genehmigt in der Gauversammlung in Karlsruhe am 3. November 1919.

Die Texte dieser Auflage finden sich im Internet.

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